IJmuiden en strand in foto's

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   Bijgewerkt op 13-11-2011

 

 

Der Schmerz des Abschieds von IJmuiden

 

Traenenueberstroemt stehe ich in der Tuer des Strandhaeuschens nahe der Zuidpier. Ein wunderschoener sonniger Tag ist angebrochen. "Dirk, komm, wir muessen los jetzt!" hoere ich meine Grossmutter draengen. Trotzdem schluepfe ich noch schnell herein, um einen letzten traurigen Blick in das zu werfen, was bis gestern unser Heim war. Warm und gemuetlich, voller Freude und Zufriedenheit. Nun ist es kalt und abweisend, leer und aufgeraeumt, als ob wir nie dagewesen waeren....durch die sauberen Verandafenster blicke ich noch schnell ueber den Strand, die Pier. Doch ich weiss, ich muss nun endgueltig raus hier, und tieftraurig drehe ich mich herum und schreite das letzte Mal durch die Tuer auf die hintere Veranda, wo anstatt mein Spielzeug nun unser aufgetuermtes Reisegepaeck auf die Abreise wartet.

Gedankenverloren greife ich zwei schwere Koffer, waehrend meine Grossmutter das Haeuschen zum letzten Mal abschliesst. Schluss, Aus, wir sind draussen.....oh, Gott, da gibt es jetzt nur einen Platz, der auf uns wartet, in Deutschland, Hunderte von Kilometern entfernt; und da will ich nicht hin. Ich moechte jetzt am liebsten meiner Grossmutter den Schluessel abnehmen und zurueckgehen.

Wir betreten nun den Sand zwischen den Haeuschen; Freunde, welche ich waehrend der letzten drei Wochen gemacht habe, winken mir nochmal zu. Ich versuche mich wegzudrehen um mein verheultes Gesicht zu verbergen.

Ich versuche mich damit zu troesten, dass wir doch jetzt gerade immer noch in IJmuiden sind, aber hilft nichts, ich weiss, die letzten Minuten sind gezaehlt...

Nach links blicke ich zum Strand, sehe die Dortgebliebenen zum Baden gehen, waehrend ich meinen schwersten Alptraum durchlebe, naemlich hier abzureisen.

Jetzt kommen wir zum Paviljoen Zuidpier, um den Schluessel abzugeben und uns zu verabschieden. Anstatt laechelnd auf Arie und seine Frau zuzugehen, gehe ich zum Fenster, blicke sehnsuechtig auf das, was ich fuer lange Zeit nicht haben werde. "Dirk, willst du micht wenigstens auf Wiedersehen sagen?" hoere ich meine Grossmutter wie aus weiter Entfernung fragen. Doch ich reagiere nicht, ich will mich mit keiner Abschiedsfloskel abgeben; es ist so schon schlimm genug. Ich stehe da, starre aus dem Fenster und fuehle den Moment des endgueltigen Abschieds wie eine teuflische Macht naeherkommen; seine kalten Haende sind ueberall auf meiner Haut, ich friere.

Wieder reisst mich Grossmutter aus meinem verzweifelten Versuch, den letzten Moment in eine Ewigkeit zu verwandeln. Noch einmal sauge ich den vertrauten leckeren Geruch von frisch zubereitetem Fisch und Pommes Frites im Paviljoen auf, dann bin ich draussen, den Strandweg hoch auf die Duenen zur Bushaltestelle....das allerletzte Highlight, bitte lass den Bus Verspaetung haben oder niemals kommen. Der vertraute Wind umschmeichelt mich als wolle auch er mich troesten. In tiefen Zuegen atme ich die Meeresluft ein, mein Blich schweift ueber den ganzen Strand von hier oben, welch ein Anblick, so vertraut, und doch imponiert er mich immer wieder aufs neue.

Ich schaue noch nicht einmal nach rechts, denn ich will gar nicht wissen, ob der Bus kommt; der Bus wird es schliesslich nun sein, welcher mich erbarmungslos von hier entfernen wird.

Die Sonne kommt immer wieder heraus und versucht mich aufzuwaermen, aber sie macht es nur schlimmer, denn in der Sonne sieht hier alles noch viel eindrucksvoller aus, macht mich noch trauriger. Und ich weiss, dass es nur noch Minuten sein werden bis zur Vollstreckung des ultimativen Abschieds.

Mein naechster Weinkrampf ist nahe, ich fuehle es, jetzt schaue ich den Moewen nach wie sie majestaetisch in ihrer unnachahmlichen Weise ueber IJmuidens Strand gleiten, als Stunde Null hart zuschlaegt. Ich hoere den Bus hinter mir anhalten. Ich weiss, ich muss jetzt Gepaeck schnappen, um den Bus nicht zu verspaeten. Ich schaue auf den Bus, als schaute ich in das Angesicht des Teufels, greife die Koffer und trete wortlos mit einem dicken Kloss im Hals in den Bus.

Da sitze ich nun, Sekunden vor dem Weltuntergang. Ich fuehle den Bus anfahren und schneller werden, ich muss jetzt auch schnell sein, um den Strand hinter den Duenen untergehen zu sehen; ich will auch den aller-allerletzten Bruchteil noch sehen; der Bus macht nun die beruechtigte Linkskurve hinunter zum Hafengebiet. Fast verrenke ich mir den Hals beim Versuch, solange wie irgend moeglich meine Augen an den Strand und das Meer zu haften, vergeblich, er ist jetzt weg, fuer mich fuer immer. Da gibt es keinen Trost, das wir naechstes Jahr wiederkommen. Fuer mich ist das wie naechstes Lichtjahr. Ich gebe mich meinem hemmungslosen Weinkrampf nun hin; lieber sterbe ich als zurueck nach Hause zu fahren.....

Nun werden meine Augen ein wenig klarer und ich sehe wie wir durchs Hafengebiet fahren. Ist doch immer noch IJmuiden, denke ich, und das gibt mir leichten Trost. Schliesslich liebe ich auch den Hafen, wo ich viel Zeit verbracht habe, und selbstverstaendlich auch IJmuiden-Stadt, welche wir immer noch durchfahren muessen. Traurig fahre ich an dem Baco-Ami-Shop vorbei, dann geht's zur vertrauten Lange Niewstraat, vorbei am Marktplatz, der Post und all den vielen Geschaeften in der City, dann verlassen wir IJmuiden endgueltig und das Urteil ist gefaellt.

Erschoepft vom Stress des Abschieds lehne ich mich zurueck und denke an das was ich im umgekehrten Sinne vor genau drei Wochen erlebt hatte, die Ankunft! Diese schoene Erinnerung jetzt abzurufen und an nichts anderes als das die gesamte Heimreise ueber zu denken, hilft mir mit dieser schweren Situation fertig zu werden.

Jeden Abend vor dem Schlafengehen zu Haus in Deutschland fern von der Kueste oder anderswo schweifen meine Gedanken nach IJmuiden, seinen Straenden, seinen Pieren, seinem Hafen und nicht zuletzt seiner Stadt.

Danke, IJmuiden, dass es dich gibt; heutzutage als Erwachsener liege ich manchmal an Palmenstraenden im Sueden unserer Erdkugel, aber ich kann nimmer aufhoeren von dir zu traeumen.

 

Dirk W. Stiller